Antrag zur Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße

Antrag der Bündnis 90/DIE GRÜNEN-Fraktion in der Gemeindevertretung der Gemeinde Limeshain vom 20.10.2025 zur Gemeindevertretersitzung am 11.11.2025. Die Fraktion von Bündnis90/DIE GRÜNEN Limeshain beantragt, den Straßennamen „Wernher-von-Braun-Straße“ in Rommelhausen umzubenennen in „Otto-Wels-Straße“.

Begründung:

Wernher von Braun war Mitglied der NSDAP und SS-Mitglied. Er war in die Verbrechen gegen KZ-Häftlinge tief verstrickt gewesen. Er hat sich aktiv, aus Eigennutz, am Prozess der Ausbeutung von KZ-Häftlingen beteiligt und ihn betrieben. Er hat selber Häftlinge aus dem KZ Buchenwald ausgesucht. Insgesamt forderte er 1.350 Arbeitskräfte an, was seinerzeit stets KZ-Häftlinge bedeutete. Von Braun berichtet selber in einem Interview 1969 von „Hungergestalten“ in einem „erbarmungswürdigen Zustand“. Zwischen 16.000 und 20.000 Menschen arbeiteten in von Brauns Produktionsstätte und wurden dort aufgrund der menschenverachtenden Bedingungen vernichtet. Der Einsatz der A4-Rakete (V2) forderte insgesamt ca. 8.000 Opfer, hauptsächlich in der Zivilbevölkerung. Die V2 war somit die einzige Waffe, deren Produktion mehr Opfer forderte als ihr Einsatz. Es ist nicht zu begreifen, wie ausgerechnet ein Täter wie Wernher von Braun, der sich, im Gegensatz zu vielen anderen Wissenschaftlern, nach 1945 nicht dazu durchringen konnte, sich von den Mördern des Naziregimes zu distanzieren und den Bau seiner Waffe kritisch zu betrachten, als Vorbildcharakter in der heutigen Zeit hingestellt werden kann. 
Wir werden von unserer Regierung dazu aufgerufen, Zivilcourage in Bezug auf den heutigen Rechtsextremismus aber auch gegenüber Antisemitismus zu zeigen. Mit der Gedenktafel für jüdische Opfer der NS-Diktatur und dem Auseinandersetzen bezüglich der Verlegung von Stolpersteinen hat Limeshain bereits sehr wichtige Schritte in diese Richtung gemacht. Jetzt gilt es weiter, in diesem Sinne diesen Weg zu gehen.

„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“ sagte Otto Wels in seiner letzten freien Rede im Deutschen Reichstag.

Die Umbenennung wäre ein aktiver Beitrag gegen den Rechtsextremismus und Antisemitismus, damit die Würde und die Ehre des Menschen, wie in unserem Grundgesetz verankert, durch solche Benennungen nicht mit Füßen getreten wird. 

Otto Wels war von 1919 bis in die Zeit der Exil-SPD während der Herrschaft der Nationalsozialisten SPD-Vorsitzender. Von 1912 bis 1918 war er Abgeordneter des Reichstags des Deutschen Kaiserreichs, von 1919 bis 1920 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und von 1920 bis 1933 Abgeordneter des Reichstags der Weimarer Republik. Ab 1919 war Wels Parteivorsitzender der SPD.

Nach der Machtübernahme der NSDAP am 30. Januar 1933, der Reichstagswahl am 5. März 1933 und der ersten Verhaftungswelle übernahm Wels es am 23. März 1933, für die SPD die Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes zu begründen, welches die nationalsozialistische Diktatur etablierte. Er tat dies trotz der bereits einsetzenden Verfolgung und der Anwesenheit von SA-Männern im Saal mit einer klaren Absage an den Nationalsozialismus. In Prag baute Wels die Exilorganisation der SPD (Sopade) auf. Infolge des Münchener Abkommens musste der Exilvorstand Prag verlassen und begab sich Ende 1938 nach Paris, wo Wels am 16. September 1939 im Alter von 66 Jahren starb. 

Die Gemeindevertretung möge folgenden Beschluss fassen:

Die Wernher-von-Braun-Straße ist umzubenennen zu „Otto-Wels-Straße“.