Kreis-Anzeiger: Limeshainer Grüne kritisieren Entscheidung gegen Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße scharf

LIMESHAIN (red). Die Limeshainer Grünen kritisieren die Entscheidung der Limeshainer Gemeindevertretung, die Wernher-von-Braun-Straße nicht umzubenennen und fordern erneut eine Distanzierung von von Braun. Der Antrag der Grünen war in der jüngsten Sitzung abgelehnt worden (der Kreis-Anzeiger berichtet). „Wie Hohn muss es für die jüdische Gemeinde klingen, wenn auf der einen Seite in Limeshain eine Gedenkstätte errichtet werden soll und auf der anderen Seite den Tätern weiter gehuldigt wird“, schreibt die Grünen-Fraktion in einer Pressemitteilung.

Bereits 2014 habe die letzte Schule in Deutschland den Namen „Wernher von Braun“ abgelegt. Die Gemeindevertretung habe nun ihre Chance verpasst, ebenfalls ein Zeichen zu setzen. „Die Gemeindevertreter sollten sich fragen, wie sich die Opfer wohl fühlen“, schreiben die Limeshainer Grünen und kritisieren erneut die fehlende Distanzierung der Gemeindevertretung. „Humanität sollte immer an erster Stelle stehen, weit vor Genie.“

In der Pressemitteilung erinnern die Grünen daran, dass Wernher von Braun nicht nur NSDAP-Mitglied, sondern auch SS-Mitglied war. „Er war in Verbrechen gegen KZ-Häftlinge tief verstrickt. Er hat sich aus Eigennutz am Prozess der Ausbeutung von KZ-Häftlingen beteiligt und ihn betrieben. Er hat selbst Häftlinge aus dem KZ Buchenwald ausgesucht“, zählen die Grünen auf. Insgesamt habe von Braun 1350 „Arbeitskräfte“ angefordert, KZ-Häftlinge wurden daraufhin in das „Arbeitslager Dora“ deportiert. „Die Häftlinge mussten unter mörderischen Bedingungen leben. Von den ungefähr 60 000 Zwangsarbeitern in Mittelbau-Dora starben 20 000.“ Von Braun habe selbst in einem Interview 1969 von „Hungergestalten“ in einem „erbarmungswürdigen Zustand“ gesprochen.

Zwischen 16 000 und 20 000 Menschen starben laut Historikern in der Produktionsstätte. Der Einsatz der A4-Rakete (V2) forderte rund 8000 Opfer. „Die V2 war somit die einzige Waffe, deren Produktion mehr Opfer forderte als ihr Einsatz. Es ist nicht zu begreifen, wie ausgerechnet ein Täter wie Wernher von Braun – der sich, im Gegensatz zu vielen anderen Wissenschaftlern, nach 1945 nicht dazu durchringen konnte, sich von den Mördern des Naziregimes zu distanzieren und den Bau seiner Waffe kritisch zu betrachten – als Vorbildcharakter in der heutigen Zeit hingestellt werden kann“, heißt es weiter. Es sei zudem skandalös, „dass die SPD zwar das Nazi-Verbrechen zugibt, letztendlich aber vermutlich die Angst überwiegt, sich bei einigen uneinsichtigen Anwohnern unbeliebt zu machen und zu argumentieren, dass unsichere rechtliche Aspekte die Umbenennung verhindern“, schreibt die Fraktion der Grünen.